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Wie Alles Anfing

Der gesellschaftliche Hintergrund zur Zeit der Gründung der Lawaetz-Stiftung

Mitte der 80er Jahre gründeten sich als Folge der steigenden Arbeitslosigkeit Initiativen, um Ausbildungs- und Arbeitsplätze für besonders benachteiligte Menschen, vor allem Jugendliche, zu schaffen. Angestrebt wurde die Gründung von Betrieben, die sich nach einer Anschubfinanzierung aus öffentlichen Mitteln selbst tragen und langfristig die Arbeits- und Sozialbehörde von Sozialhilfeausgaben entlasten würden.

Parallel dazu forderten Netzwerk und der „Arbeitskreis Senatsknete“ die Unterstützung selbstverwalteter Betriebe. Die Begründung lautete, dass diese einerseits bei der Kreditvergabe stark benachteiligt seien und außerdem ökologische und soziale Veränderungen im allgemeinen Interesse vorantreiben würden.

Mit Vehemenz machten verschiedene Gruppen auf ihre Wohnungsnot aufmerksam. Wuchermieten, Umwandlung von Mietraum in Eigentumswohnungen, Leerstand aus Spekulationsgründen wurden angeprangert. In der Folge kam es zu Hausbesetzungen durch Wohnungslose und solche Menschen, die neue, selbstbestimmte Wohn- und Lebensformen erproben wollten. Nur wenige Besetzergruppen wurden nicht polizeilich geräumt und konnten mit der Entwicklung und Verwirklichung ihrer Ideen beginnen, zum Beispiel das Projekt Schröderstift, das ab 1980 als Katalysator für andere Selbsthilfeprojekte wirkte.

 

Gründergeist

1986 beschloss die Bürgerschaft die Errichtung der Lawaetz-Stiftung. Finanzielle Grundlage waren unter anderem Finanzmittel, die Hamburg aus dem Europäischen Sozialfonds zur Förderung örtlicher Beschäftigungsinitiativen erhielt. Der Name der Stiftung erinnert an den Altonaer Fabrikanten Johann Daniel Lawaetz (1759-1826), der bereits im 18. Jahrhundert versuchte, Armut nicht mit Almosen, sondern durch Hilfe zur Selbsthilfe und Schaffung von Arbeitsplätzen zu bekämpfen.

„Aufgabe der Stiftung ist es, auf der Grundlage der Zwecke der Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege solche Projekte zu initiieren und zu fördern, die für sozial benachteiligte Personen Wohn-, Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten schaffen.“ (Aus der Satzung der Lawaetz-Stiftung)

Erste Erfolge

Die Lawaetz-Stiftung startete, personell knapp ausgestattet, mit der Gründung einer Beratungsstelle zur Unterstützung örtlicher Beschäftigungsinitiativen. Erst 1987 war die Einstellung von MitarbeiterInnen für den Bereich Stadterneuerung und alternative Baubetreuung (ABB) möglich. Per Bürgerschaftsdrucksache wurden die Voraussetzungen geschaffen, um die Lawaetz-Stiftung als alternative Sanierungsträgerin anzuerkennen. In dieser Funktion förderte die Lawaetz-Stiftung Wohn- und Mietergruppen, die für sich mit großem Selbsthilfe-Einsatz alte Gebäude instand setzten und damit bezahlbaren Wohnraum erhalten oder wieder geschaffen haben. Seit der Einstellung dieses Programmes fördert die Stiftung unterschiedlichste Baugemeinschaften im Wohnungsneubau (genossenschaftlich organisiert oder im Eigentum) und ist in der Projektentwicklung und baulichen Umsetzung von kulturellen und sozialen Projekten aktiv..

1988 – Erste Erweiterungen des Aufgabenspektrums

1988 übernahm die Lawaetz-Stiftung als zusätzliche Aufgabe im Arbeitsbereich Stadterneuerung die Verwaltung von städtischen Liegenschaften. Diese Aufgabe übertrug die Stiftung einer Tochtergesellschaft, der Johann Daniel Lawaetz-Stadtentwicklungs-GmbH. Diese verwaltet Grundstücke, die von Wohngruppen genutzt, aber nicht erworben oder in Erbpacht übernommen werden können. Ein Novum war der Ankauf von Häusern oder Wohnungen mit Hilfe öffentlicher Mittel. 1990 erwarb die Lawaetz-Stiftung einen Großteil der Falkenried-Terrassen und übergab sie der Falkenried-Mietergenossenschaft zur Selbstverwaltung.

 

Seit ihrer Gründung hat die Stiftung ihre Tätigkeitsfelder vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Veränderungen erheblich ausgeweitet und spezifiziert. Ging es zunächst hauptsächlich um die Aktivierung von sozialen Gruppen im Zusammenhang mit Altbausanierungen und Existenzgründungen, so sind mittlerweile Projekte des Europäischen Sozialfonds ebenso hinzugekommen wie transnationale Partnerschaften, Quartiersentwicklung in vielen Hamburger Gebieten sowie eine Fülle von weiteren Aufträgen. Die Stiftung finanziert sich aus Aufträgen Hamburger Fachbehörden und Bezirksämtern, Bundesprogrammen und Mitteln der Europäischen Kommission. Die Arbeit der Stiftung lässt sich aufteilen in einen eher konzeptionellen Schwerpunkt in der Schnittmenge von Arbeitsmarkt-, Bildungs- und Wirtschaftspolitik sowie in praktische Aktivitäten zur Sozial- und Stadtentwicklungspolitik.
Strukturell sind die Arbeitsschwerpunkte der Stiftung in vier Abteilungen aufgeteilt:

  • Existenzgründung:
    Beratung und Coaching
    Seminare
    Finanzierung
  • Beratung, Evaluation &Wissenstransfer
    Programmbegleitung
    Projektmanagement
    Evaluation und wissenschaftliche Studien
    transnationale Projekte
  • Projektentwicklung & Baumanagement
    genossenschaftliche Wohnprojekte
    Projekte mit baulicher Selbsthilfe
    Hausgemeinschafts- und Wohnprojekte
    sozio-kulturelle Projekte
  • Soziale Stadtentwicklung & Bürgerbeteiligung
    Entwicklung von Quartieren
    Quartiers- und Citymanagement
    Demokratieentwicklung
    Methoden der Bürgerbeteiligung

INNOVATIV für das Gemeinwohl