Stadtentwicklung

SUITE – Europäisches Netzwerk für nachhaltige Wohnungspolitik

Wie kann ausreichend bezahlbarer Wohnraum mit einem hohen Energieeffizienzstandard geschaffen werden, ohne dass es in den betroffenen Quartieren zu einer Verdrängung der Bewohnerschaft kommt? In einem länderübergreifenden Austausch widmete sich das von 2008 bis September 2011 im Rahmen des EU-Programms URBACT durchgeführte transnationale Projekt „SUITE – The Housing Project“ dieser und ähnlichen Fragen.

Die am Projekt beteiligten neun europäischen Städte, zu denen neben Hamburg der Lead Partner Santiago de Compostela, das rumänische Iasi, Krakau, Medway, Nantes, Newcastle, Rennes und Tallinn gehörten, führten einen Vergleich von Projekten, Fallstudien, rechtlichen Instrumenten und operativen Ansätzen durch. Hierbei wurde deutlich, dass es zur Schaffung sozial und ökologisch nachhaltigen, bezahlbaren Wohnraums eines integrativen Ansatzes bedarf, der alle drei Aspekte gleichwertig berücksichtigt:

  • sozialer Mix (Sicherung einer ausgewogenen Sozialstruktur der Bewohnerschaft),
  • ökologische Nachhaltigkeit (Realisierung einer hohen Energieeffizienz) sowie
  • Finanzierbarkeit (Anwendung innovativer Finanzierungsmodelle).

Zur Aufgabe von SUITE gehörte auch die Entwicklung und Umsetzung eines Lokalen Aktionsplans in jeder der beteiligten Partnerstädte. Hamburg beschäftigte sich in diesem Kontext mit der besonderen Rolle von Baugemeinschaften und deren Potenzialen. So lässt sich beispielsweise durch eine kreative Kombination von genossenschaftlichem Mietwohnungsbau und Eigentumswohnungen in einem Projekt die Schaffung kostengünstigen Wohnraums mit hoher Energieeffizienz realisieren. Zudem konstituieren sich Baugemeinschaften oftmals aus langjährigen Bewohner/innen eines Quartiers und können dazu beitragen, dessen soziale und kulturelle Vielfalt zu erhalten.

Anhand des Baugemeinschaftsprojekts „Greves Garten“ in Hamburg-Bergedorf haben wir beispielhaft die Erfolgsfaktoren von Baugemeinschaften untersucht und fünf wesentliche Aspekte herausgearbeitet. Die Ergebnisse wurden in der Broschüre „Gemeinsam planen – gemeinsam bauen – gemeinsam leben“ veröffentlicht. Sie richtet sich an diejenigen, die an der Realisierung von Baugemeinschaftsprojekten interessiert sind.

Die Broschüre ist kostenfrei über Wolfgang Kühn  zu beziehen und zudem als pdf-Download auf der Website der Lawaetz-Stiftung verfügbar.

 

Kontakt: Wolfgang Kühn und Dr. Thomas Mirbach

Modelle der Zwischen- und Nachnutzung leerstehender Flächen und Gebäude – das Projekt SEEDS

Nicht nur, aber insbesondere in ländlichen Räumen und in Kleinstädten hat sich der gravierende Leerstand gewerblicher Flächen zu einer bedeutenden Herausforderung entwickelt. Das immer noch zunehmende online-shopping, eine älter werdende Gesellschaft und der einsetzende Bevölkerungsrückgang – vor allem in ländlichen Regionen – beeinflussen unsere Regionen und Städte immer stärker. Insbesondere leerstehende Kaufhaus- und größere Lagerflächen fallen angesichts ihrer Größe vielfach negativ auf.

Die Entwicklung und Erprobung passender Ansätze der Bewältigung dieser Herausforderung war das Ziel des transnationalen INTERREG-Projektes „SEEDS – Stimulating Enterprising Environments for Development and Sustainability“ – mit Beteiligung der Lawaetz-Stiftung.

Im Rahmen des Projektes wurden in Hamburg bzw. Norddeutschland verschiedene Pilotprojekte realisiert:

  • Gefördert wurde der Umbau des Nochtspeichers (www.nochtspeicher.de) zu einem Kulturzentrum auf St. Pauli, betrieben von Künstlern und Initiativen; die dort u.a. verschiedene Aspekte und Prozesse der Architektur und Stadtentwicklung erörtern. Im Jahr 2014 (und 2015) wurde dort im Rahmen mehrerer Veranstaltungen die Problematik der Gentrifizierung innerstädtischer Gebiete erörtert. Unter dem Motto „Wissenschaft trifft Wirklichkeit“ haben Praktiker und das Publikum die von Wissenschaftlern vorgestellten Forschungsergebnisse kommentiert. Über 400 Besucher der drei bisherigen Veranstaltungen sprechen für die Aktualität des Themas und das entwickelte Veranstaltungsformat.
  • die „Universität der Nachbarschaften“, ein experimentelles Projekt der HafenCity Universität (HCU) mit Förderung der Internationalen Bau-Ausstellung (IBA), hat das Potenzial der Zwischennutzung auf künstlerische Weise und mit erheblicher studentischer Beteiligung aufgezeigt. Im Januar wurde das Projekt im Rahmen der Abschlussveranstaltung als „Platz der Ideen“ ausgezeichnet.
  • Die „Knecht’schen Hallen“ (eine ehemalige Lederfabrik) bilden ein attraktives, leerstehendes Gebäudeensemble unter Denkmalschutz in der Elmshorner Innenstadt. Ein Freundeskreis versucht, in enger Abstimmung mit der Stadt, den Erhalt des Komplexes zu erreichen. Ein Teil des Gebäudes wurde ihm für eine kulturelle Zwischennutzung zur Verfügung gestellt, der Ausbau wurde mit SEEDS-Mitteln gefördert.

Im Rahmen transnationaler Austauschkonferenzen wurden mit Expert/innen der Wissenschaft und Praxis die Chancen, Potenziale als auch Grenzen der Zwischennutzung erörtert. Experten aus mehreren deutschen Städten sowie dem europäischen Ausland trugen mit ihren Erkenntnissen zum Erfolg des Austauschs bei.

Kontakt: Dr. Ulrich Schenck

Öffentliche Plätze und Lebensqualität – Das INTERREG-Projekt „Making Places Profitable – Public and Private Open Spaces“ (MP4)

Öffentliche Plätze und Wege sind ein Erfolgsfaktor der Europäischen Stadt. Sie tragen wesentlich zur Lebensqualität und Attraktivität als auch zur Wettbewerbsfähigkeit und sozialen Kohäsion bei.

Gerade in benachteiligten Stadtteilen mit einer hohen Bevölkerungsdichte kann vielfältig nutzbaren Freiräumen eine erhebliche Bedeutung zukommen. Daher beteiligte sich die Lawaetz-Stiftung von 2008 bis 2012 an dem INTERREG-Projekt „MP 4 – Making Places Profitable“. Als weiterer eigenständiger Partner ist auch die HafenCity Universität (HCU, Prof. Thomas Krüger) an dem Projekt beteiligt.

Während die HCU ihre Expertise der Planung eines Housing Improvement Districts (www.urban-improvement-districts.de) einbringt, konzentrierten wir uns im Rahmen der Quartiersentwicklung auf die Planung und Finanzierung des Freiraums rund um die neue Skaterhalle „Golden Style’s“ in Steilshoop.

Im Mittelpunkt stand dabei jeweils auch die Entwicklung eines nachhaltigen Pflegekonzeptes unter Beteiligung privater Akteure und Anbieter. Die Besonderheit dieses Vorhabens bestand darin, dass freie Träger auf Grundlage eines place-keeping Modells die Verantwortung für öffentliche Plätze und Räume übernahmen.

Weitere Informationen zum INTERREG-Projekt auf www.mp4-interreg.eu

Kontakt: Dr. Ulrich Schenck

INNOVATIV für das Gemeinwohl