Über das Programm „Aktive Stadtteilentwicklung“ beauftragte das Bezirksamt Eimsbüttel die Lawaetz-Stiftung für die Jahre 2000-2006 mit der Quartiersentwicklung im Stadtteil Schnelsen-Süd. Für zwei weitere Jahre unterstützen wir in 2007 und 2008 mit reduzierten Ressourcen die Verstetigung der erfolgreich eingeleiteten Prozesse.
Schnelsen-Süd ist eine typische Sozialbausiedlung der 70er Jahre. Die hier lebenden Menschen kommen aus über 30 verschiedenen Ländern, Kultur- oder Sprachräumen. Viele von ihnen leben gerne hier, dennoch führen wirtschaftliche und soziale Probleme oft auch zu Reibungen im Zusammenleben.
Die Zielsetzung der Quartiersentwicklung ist es, zusammen mit den Stadtteilbewohner/innen die Lebensqualität im Stadtteil zu verbessern. Die Lawaetz-Stiftung hat die Umsetzung dieser Zielsetzung durch Aktivitäten in den Themenfeldern Stadtteilleben, Arbeit und Ausbildung, lokale Wirtschaft, Verkehr und Wohnen verfolgt.
Seit unserem Start als Quartiersentwickler ist die Lebensqualität im Stadtteil Schnelsen-Süd merklich gestiegen. Die wichtigsten Ziele, u.a. die Bürgerbeteiligung, insbesondere von Migrant/innen, die Aktivierung und Vernetzung der Ressourcen im Stadtteil, die Schaffung von Bildungs- und Beratungsangeboten, die Belebung der Quartiersmitte und die Imageverbesserung der Siedlung haben wir durch die Unterstützung vieler Projekte und Maßnahmen erreicht. Dafür wurde der Stadtteil 2004 mit dem “Preis Soziale Stadt” prämiert.
2006 und 2007 hatte das Handlungsfeld Lokale Wirtschaft und Nahversorgung im Stadtteil oberste Priorität:
Einkaufsmöglichkeiten und Dienstleistungsangebote direkt im Quartier fördern ganz wesentlich die Lebensqualität. Schnelsen-Süd war zu Beginn unserer Arbeit im Stadtteil diesbezüglich jedoch schlecht ausgestattet: Ansässig waren ein Lebensmittelgeschäft, das als unattraktiv und überteuert galt, die Straßensozialarbeit und ein Kindergarten in der Mitte des Quartiers.
In unserer ersten Bewohnerbefragung im November 2000 hatten wir unter anderem nach Wünschen zu den Einkaufsmöglichkeiten gefragt. Die Teilnehmer/innen nannten ein breit gefächertes Angebot zur Nahversorgung mit Gastronomie, darunter ein Gemüsegeschäft, einen Bäcker und ein Café.
Im Frühjahr 2005 hatte bereits der benachbarte AWO-Kindergarten im Gebäude Graf-Johann-Weg 38-40 den Standort aufgegeben und die Straßensozialarbeit war in andere Räume gezogen. Der komplette Leerstand ab Sommer 2005 bot nun die Möglichkeit, die Quartiersmitte neu zu gestalten. Zusammen mit dem Kinder- und Familienzentrum (KiFaZ) Schnelsen organisierten wir deshalb mehrere Treffen für Interessierte direkt vor Ort, auf denen viele Ideen gesammelt und bewertet wurden. Den Bewohnerinnen und Bewohnern und den Einrichtungen war vor allem eine Nahversorgung im Gebiet wichtig. Sie äußerten ebenso Ideen für die Bereiche Dienstleistung, Begegnung und Bildung. Diverse Quartiersbewohner/innen wollten die Gewerbeflächen für eine eigene Existenzgründung nutzen.
Gemeinsam mit der SAGA und dem Verein „Unternehmer ohne Grenzen e.V.“ (UoG e.V.) haben wir den Leerstand im Lförmigen Flachbau im Quartierszentrum unter dem Label „Schnelsen-Süd Center“ für eine innovative Projektentwicklung genutzt. Ziel war es zum einen, die Nahversorgung in Schnelsen-Süd wieder herzustellen und zum anderen, Existenzgründungen für Bewohner aus Schnelsen-Süd zu fördern.
Die SAGA plante den Umbau der zuvor sehr großflächigen Einzelhandelsfläche in kleinere Einheiten. Interessierte Existenzgründer/innen mussten sich von UoG e.V. beraten lassen und der SAGA ein von UoG e.V. geprüftes Betreiber- und Finanzierungskonzept vorlegen. Damit wurde dem Umstand Rechnung getragen, dass Migrant/innen häufig großes Engagement für eine Existenzgründung mitbringen, dabei aber viele der formalen Bedingungen und Vorprüfungen nicht ausreichend beachten. UoG e.V. ist besonders qualifiziert, diese Lücken auszugleichen, damit die Gründungen auch gelingen.
Im Mai 2007 wurden die Geschäfte feierlich eingeweiht. Das modern umgestaltete Gebäude mit dem von der Straße gut sichtbaren Glasvorbau und das große bunte Schild hat die Quartiersmitte und damit den Stadtteil deutlich aufgewertet. Die Finanzierung des Umbaus und des Glasanbaus erfolgte jeweils zur Hälfte aus Mitteln der Aktiven Stadtteilentwicklung und der SAGA.
Ein Branchenmix aus Backshop mit Bistro, Lebensmittelgeschäft mit Obst, Gemüse und Getränkehandel, Kiosk mit Schreibwaren und Änderungsschneiderei wurde durch Existenzgründer/innen aus Schnelsen-Süd umgesetzt. Die Mietkonditionen der SAGA basieren auf einer Staffelmiete, die mit drei Euro pro Quadratmeter beginnt und nach acht Jahren acht Euro erreicht. Voraussetzung ist die kontinuierliche Begleitung durch UoG.
Die gemeinsamen Bemühungen um die Aufwertung des Quartiers wurden schließlich belohnt: Die Eimsbüttler Jury zum Hamburger Wettbewerb 2006 „Familie gewinnt“ hat dem Projekt „Schnelsen-Süd Center familienfreundliche Nahversorgung“ den Hauptpreis in Höhe von 10.000 Euro zuerkannt.
Der andere Gebäudeteil hat unter dem Namen Projekt 38 ebenfalls eine innovative Nutzung gefunden: in ihn sind verschiedene Einrichtungen des Jugendamtes und eines freien Trägers eingezogen: Jugendberatung, Elternschule, Erziehungsberatung, Teile des Kinder- und Familienzentrum Schnelsen sowie die Hamburger Vertretung der bundesweiten Gesundheitsmediatoren-Ausbildung „Mit Migranten für Migranten“ (MiMi). Auch das Stadtteilbüro der Lawaetz-Stifung nutzt hier einen Arbeitsplatz. Neben ihren Regelaufgaben wollen die Einrichtungen gemeinsam neue Angebote mit den Schwerpunkten Gesundheitsförderung, Begegnung und Bildung machen.
Gerade die Kombination von Geschäften und sozialen Einrichtungen wirkt anziehend auf viele Bewohner/innen, die noch nicht im Stadtteil aktiv sind.
Durch die Initiative der von uns betriebenen Stadtteilbüros in Schnelsen-Süd und in der Lenzsiedlung hat die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt das Programm Aktive Stadtteilentwicklung um eine Verstetigungsoption erweitert. Zunächst für zwei Jahre werden wir uns in beiden Eimsbüttler Gebieten weiterhin für Bürgerbeteiligung, Gremienarbeit, Öffentlichkeitsarbeit und Imagepflege einsetzen allerdings mit erheblich reduzierten Ressourcen. Damit auch weiterhin positive Entwicklungsschritte für das Quartier möglich sind, bedarf es des anhaltenden Engagements von Bürgern und Bürgerinnen!
Deshalb: Beteiligen Sie sich!
Wenn Sie in Schnelsen-Süd leben und Wünsche oder Verbesserungsvorschläge haben oder sich im Stadtteil aktiv engagieren möchten, gibt es verschiedene Gremien, in denen Sie mitmachen können:
Stadtteilbüro
Lawaetz-Stiftung
c/o Projekt 38
Graf-Joahnn-Weg 38
22459 Hamburg
Tel.: 49 40 72 96 35 28
Fax: 49 40 72 96 35 29
eMail: robben@lawaetz.de
Weitere Informationen zur Quartiersentwicklung:
Karin Schmalriede, Tel. 040/ 39 99 36-0; schmalriede@lawaetz.de

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